Neue Damen-I-Trainerin Diana Quilitzsch: "Jugendspielerinnen bei den Sportfreunden halten"

Abschied und Begrüßung zugleich: Diana Quilitzsch hat ihre Karriere als aktive Handballerin beendet und trainiert von sofort an das Damen-Oberligateam der Sportfreunde Budenheim. Alle Fotos: SFB / Ingo Fischer

Die neue Trainerin unserer Damen I, Diana Quilitzsch, im Interview
„Die Jugendspielerinnen bei den Sportfreunden halten!“

Ihre Karriere als Handballspielerin war geprägt von Extremen: Auf große Erfolge folgten immer wieder herbe Rückschläge – doch aufgegeben hat Diana Quilitzsch (geborene Hollerbach) nie. Nun hat die 36-jährige Spielmacherin ihre Sportlerkarriere beendet und wird als neue Cheftrainerin der Damen I eine neue, wichtige Rolle bei den Oberligahandballerinnen der Sportfreunde Budenheim übernehmen. Im Interview spricht sie über bittersüße Aufstiege, Abstiege als Herbstmeister, Meisterschaften im Wochenbett, die Herausforderung, ehemalige Mitspielerinnen zu trainieren und was die Sportfreunde für den nächsten Schritt nach vorne tun müssen.


Der Sportfreund: Diana, Du warst im Jahr 2005 Südwestdeutscher Vizemeister mit der TSG Münster – ein Jahr später löst sich das Team auf. Kurz darauf bist Du mit dem TV Idstein Herbstmeister in der Regionalliga geworden – um am Ende der Saison abzusteigen. Wie kam es zu diesen kuriosen Brüchen in Deiner Handball-Biografie?

Diana Quilitzsch
: Dazu muss man wissen, dass der Damenhandball in der damaligen Zeit in vielen Vereinen einen deutlich geringeren Stellenwert hatte als heute und als der Herrenhandball. Das war bei uns in Münster nicht anders – dort lag der Fokus klar auf der Regionalligamannschaft der Männer. Wir waren überhaupt das letzte verbliebene Damenteam im Verein, es gab nicht einmal mehr eine weibliche Jugendmannschaft. Trotzdem ist es uns gelungen, mit eigenen Mitteln und Förderern in die Regionalliga aufzusteigen. Das war dem einen oder anderen im Verein ein Dorn im Auge, denn der Spielbetrieb in der Regionalliga war teuer, und die finanziellen Mittel des Vereins waren vor allem für die Männermannschaften vorgesehen. Zusätzliches Geld wollte niemand locker machen.

Also am Erfolg gescheitert?

Das kann man so sagen. Oder um es offiziell auszudrücken: Durch interne Unstimmigkeiten hat sich die Mannschaft damals zum Rückzug entschlossen.

Und der Idsteiner Herbstmeister-Abstieg?

Das war die wirklich kuriose Saison 2006/2007! Da feiert man uns zu Weihnachten, wir werden schon als Aufstiegskandidat für die Zweite Bundesliga gehandelt - und dann verlieren wir in der Rückrunde nahezu jedes Spiel mit ein bis zwei Toren. Eine wirkliche Erklärung dafür habe ich bis heute nicht.

Die Wechselbäder der Gefühle setzten sich ja anschließend weiter fort: In der kommenden Saison ist Dir mit Idstein der direkte Wiederaufstieg geglückt – doch Du hast Dir im letzten und entscheidenden Spiel um die Meisterschaft Dein Kreuzband gerissen.

Das war sehr schlimm für mich, zumal es im letzten Heimspiel ohne jeden Fremdkontakt passiert ist – die anschließende Meisterparty war da bereits geplant. Das hat mich damals sehr frustriert, und ich habe lange gebraucht, um das wegzustecken und nach vorne zu schauen. Zumal meine OP auch alles andere als gut verlaufen ist und somit im Jahr darauf eine weitere folgen sollte.

Diese extremen Rückschläge standen eher am Anfang Deiner Aktivenlaufbahn. Welche Schlüsse hast Du aus diesen Erfahrungen gezogen?

Ich hatte mir über so eine Verletzung bis zu diesem Zeitpunkt nie Gedanken gemacht. Das hat mir aber gezeigt, wie schnell es gehen kann. Lehren habe ich daraus keine gezogen, das sind Verletzungen, die du nicht beeinflussen kannst. Klar kann man das Risiko durch entsprechendes Training und Prävention verringern, aber sicher ist man davor nicht. Geprägt hat mich die Reha-Zeit: Das war die anstrengendste Vorbereitung, die ich erlebt habe. Ich brauchte vor allem Geduld – doch gerade die zählt nicht unbedingt zu meinen Tugenden.

 

Inwiefern hat Dich die Reha-Zeit „geprägt“?

Ich bin täglich von Hofheim am Taunus nach Mainz gedüst und habe mich von den Physios quälen lassen. Das war mit viel Schmerz und Schweiß verbunden. Zumal mein Knie in einem außerordentlich schlechten Zustand war – ich kann es bis heute nicht einmal 90 Grad beugen und das Bein auch nicht ganz strecken. Zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, was der Grund für die Unbeweglichkeit meines Knies war, also sind die Physios nicht gerade zimperlich zur Sache gegangen. Durch die schlechte Verfassung habe ich noch mehr trainiert, um den Rückstand wieder aufzuholen. Mein Ziel war es, nach sechs Monaten wieder zu spielen, und das habe ich letztendlich auch geschafft. Rückblickend frage ich mich jedoch, ob ich damals zu ambitioniert war.

Zum Glück hast Du Deine Sportlerkarriere dennoch fortsetzen können. Sieben Jahre später ist Dir 2015 mit der SG Bretzenheim der Aufstieg in die Zweite Bundesliga gelungen – sicherlich einer der großen Höhepunkte Deiner Sportlerlaufbahn. Spielen wolltest Du in der zweithöchsten deutschen Spielklasse jedoch nicht mehr – warum?


Ich dachte damals, dass das ein guter Zeitpunkt ist, um aufzuhören. Immerhin war ich da schon über 30 und wollte meine Karriere getreu dem Sprichwort „aufhören, wenn es am schönsten ist!“ beenden.


Das hast Du dann jedoch nicht getan, sondern hattest in der darauffolgenden Saison Einsätze in der zweiten Bundesliga. 2016 bist Du schließlich nach Budenheim gewechselt und hast mit Deinem Team zwei Rheinhessenmeisterschaften hintereinander gewonnen. Welche dieser Titel war der Schönere?

Jede Meisterschaft ist schön, wobei natürlich klar die Meisterschaft am schönsten ist, in der wir anschließend auch den sportlichen Aufstieg geschafft haben – also die im Jahr 2018. Im Jahr zuvor durften wir bekanntlich nicht an der Aufstiegsrunde teilnehmen, weil es dort noch die FSG mit einer Oberligamannschaft gab, die den Platz in dieser Spielklasse blockierte.


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Diana Quilitzsch gibt bzw. gab auf der Platte immer 100 Prozent.


Bei den beiden Aufstiegsspielen in die Oberliga gegen Engers und Saarlouis konntest Du nicht teilnehmen und noch nicht einmal in der Halle sein – das hatte jedoch einen sehr erfreulichen Grund ...


Ja, da habe ich meinen Sohn Henry zur Welt gebracht. Ich habe jedoch den Liveticker im WhatsApp-Chat verfolgt und dort erfahren, dass der Aufstieg geklappt hat.

Für Dich als Spielerin ist seit dem Saisonende nun endgültig Schluss - oder wird es in der nächsten Spielzeit erneut gelegentliche Einsätze geben, wenn „Not an der Frau“ sein sollte?

Nein, das ist nicht geplant.

Deine Handballkarriere bei den Sportfreunden geht dennoch weiter, und zwar in neuer Position. Was hast Du gedacht, als der bisherige Trainer und Sportvorstand weiblich, Dirk Rochow, Dir das Traineramt bei den Damen 1 angetragen hat?

Zuerst einmal habe ich abgelehnt. Und dann war es auch lange Zeit eigentlich kein Thema mehr. Aber grundsätzlich zeugt das ja von Vertrauen in meine Person und meine handballerischen Fähigkeiten.

Was hat Dich bewogen, es Dir anders zu überlegen?

Weil mir die Mannschaft am Herzen liegt und ich der Meinung bin, dass da noch viel Potenzial nach oben ist.

Als Trainerin bringst Du Erfahrung mit, so hast Du bereits Jugendvereins- und Jugendauswahlteams trainiert und zuletzt gemeinsam mit deinem Ehemann Marcus Quilitzsch drei Jahre lang die Bretzenheimer Herren-Rheinhessenligamannschaft gecoacht. Worin unterscheidet sich Deine neue Aufgabe von Deiner bisherigen?

Naja, erstmal durchs Geschlecht (lacht). Und dass ich nun an erster Stelle stehe und die Verantwortung trage.

Wie groß ist die Herausforderung, ein Team zu trainieren, in dem Du zuvor selbst gespielt hast?

Ich denke, das ist schon eine große Herausforderung, da ich als Trainerin gewisse Grenzen ziehen muss, die ich vorher im Umgang als Mitspielerin anders oder gar nicht gezogen habe.

Zum Beispiel?

Ab sofort wird nach dem Training gelacht - und nicht mehr währenddessen (zwinkert). Aber im Ernst: Es wird für die ein oder andere Spielerin eine Umstellung werden, da sie mich als Trainerin und meine Erwartungen als solche ja noch gar nicht kennen.

Was sind denn Deine Erwartungen ans Team?

„Erwartungen“ ist vielleicht der falsche Begriff. Ich habe aber Wünsche: Ich wünsche mir vom Team Vertrauen, Zeit und eine gewisse Offenheit, sich auf neue Dinge und Personen - in diesem Fall mich – einzulassen.

 

Was sind die Budenheimer Stärken – und wo siehst Du den meisten Verbesserungsbedarf?

Unsere Stärken sind sicherlich das Tempospiel. Wir haben junge Spielerinnen, die schnell und dynamisch sind. Verbesserungsbedarf sehe ich auf jeden Fall in der Offensive. Dort gilt es, im gebundenen Angriffsspiel manches Grundverständnis von Abläufen zu optimieren.

 

Auffallend in der vergangenen Spielzeit waren die enormen Leistungssprünge der A-Jugend-Spielerinnen. So sind beispielsweise die beiden Sophies –von Römer und Weber – innerhalb kürzester Zeit zu Leistungsträgerinnen gereift. Wird sich der Umbruch im Team weiter fortsetzen oder ist er bereits vollzogen?

Naja, wirklich alte Spielerinnen haben wir ja keine mehr. Die einzige „Alte“ war ich mit meinen 36 Jahren, und ich bin raus. Marlene Eichhorn war, wie schon vor der Saison besprochen, im erweiterten Kader als Aushilfe dabei. Die aktuell ältesten Spielerinnen im Stammkader sind Anna Mussenbrock und Elena Becker - und die sind noch keine 25 Jahre alt. Wir haben also eine sehr junge Mannschaft, daher kann von einem Umbruch in den nächsten Jahren keine Rede sein. Selbstverständlich werde ich aber weiterhin die Jugendspielerinnen integrieren und an den Aktivenbereich heranzuführen, wie Icke das auch sehr erfolgreich getan hat.

Ebenfalls auffallend waren in der gerade beendeten Saison die vielen schweren Knieverletzungen – vier an der Zahl, davon drei Kreuzbandrisse. Auch aufgrund Deiner persönlichen Erfahrungen: Ist das einfach nur Pech oder ziehst du daraus auch Lehren für die Trainingsinhalte?

Prophylaxe ist sicherlich ein ganz wichtiges Thema, und wir werden unabhängig von den jüngsten Ereignissen regelmäßig im Athletik-Bereich arbeiten. Was der Grund für die aktuelle Verletztenmisere ist, kann ich nicht beantworten. Wären alle Verletzungen in unsere Waldsporthalle passiert, würde ich den Hallenboden hinterfragen – doch das sind alles wenig zielführende Spekulationen. Es war einfach ein riesen Pech, das dem gesamten Team und insbesondere den betroffenen Spielerinnen widerfahren ist.


700_IMG_9936.jpgBeim erfolgreichen Saisonfinale hörte Diana Quilitzsch (#4) noch ihrem Trainer Dirk Rochow zu – künftig wird sie in den Spielpausen das Wort führen.


Welche Ziele verfolgst Du in der kommenden Saison
?

Meine Ziele für die kommende Saison sind in erster Linie keine weiteren Verletzungen und der Oberliga-Klassenerhalt.

Sicherlich in der jetzigen Situation richtig. Aber um einmal zu spinnen, mit Blick auf die sehr gute Budenheimer Jugendarbeit – am Samstag kann die fünfte Bundesliga-Qualifikation der weiblichen A-Jugend innerhalb der vergangenen sechs Jahre gelingen - und die vielen Talente, die der Verein Saison für Saison hervorbringt: Kann der Weg dieser Mannschaft noch höher – etwa in die Dritte Liga – führen?

Ich tue mich ganz ehrlich nach der abgelaufenen Saison schwer damit, von einem möglichen Drittliga-Aufstieg zu sprechen. Wenn der Verein das mittelfristig – in einem Zeitraum von etwa fünf Jahren – erreichen will, dann gehört dazu mehr als die Zielsetzung der Trainerin der Damen I.

Was müsste konkret passieren?

Erste Voraussetzung ist: Die Jugendspielerinnen im Verein halten! Dafür muss sich die Damen 1 in der Oberliga etablieren, denn nur so bieten die Sportfreunde den jungen Spielerinnen eine sportlich interessante Perspektive. Und dann gilt es auch, den Nachwuchsspielerinnen die Chance zu geben, sich durch Spielanteile im Aktivenbereich zu entwickeln und zu beweisen. Das hat man etwa bei den beiden Sophies in der vergangenen Saison gut beobachten können.

Dann sähe es nicht danach aus, als ob sich grundlegend etwas ändern müsste, sollten der Verein, die Spielerinnen und Du dieses Ziel ins Auge fassen wollen - oder doch?

Grundlegendes erstmal nicht. Mit der guten und soliden Jugendarbeit ist die Grundlage dafür in Budenheim sicherlich bereits geschaffen.


Das Interview führte Ingo Fischer.

Der Sportfreund

SFB I vs. TSG Friesenheim

Samstag, 04.05.2019, 18:00

Waldsporthalle Budenheim

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