Neuzugang Marcel Jamin: "Ich kannte Christian Kosel schon, als er noch Feldspieler war"

PM_Marcel_Jamin_700.jpgTeammanager Arne Kokot überreicht Marcel Jamin (l.) symbolisch ein Sportfreunde-Trikot. Foto: SF Budenheim.

Marcel Jamin, der erste Neuzugang unserer ERSTEN, im Interview
"Ich kannte Christian Kosel schon, als er noch Feldspieler war"


Der 27-jährige Allrounder Marcel Jamin vom hessischen Oberligisten TuS Dotzheim ist der erste Neuzugang der Sportfreunde Budenheim für die kommende Saison. Wir haben mit dem sympathischen Wiesbadener über sein allererstes, tränenreiches Minitraining, seinen weltmeisterlichen Jugendtrainer, die schönste Niederlage seines Lebens gegen den THW Kiel, die positiven Aspekte schwerer Knieverletzungen und seine Begeisterung für die Budenheimer Kabinenmusik gesprochen.


Der Sportfreund: Marcel, du bezeichnest dich selber als „Allrounder“. Du kannst alles spielen – sogar im Tor hast du in der Jugend schon gestanden. Woher kommt diese Vielseitigkeit?

Marcel Jamin: Ich habe damals bei den Minis im Tor angefangen. Wieso weiß ich gar nicht mehr so genau, aber ich dachte damals, ich hätte das ganz gut gemacht. Als ich dann in die E-Jugend kam, gab es dort bereits einen besseren Torhüter. Mein Trainer sagte mir: „Wenn du spielen willst, musst du Feldspieler werden!“ Also tat ich das. Mit diesem Torhüter bin ich übrigens heute noch sehr gut befreundet und sogar Patenonkel seines kleinen Bruders.

Und wie ging deine Laufbahn auf dem Feld weiter?

Ich hatte danach viele Trainer in der Jugend, die mich auf verschiedenen Positionen eingesetzt haben. Mir hat das irgendwie auch Spaß gemacht, mich nicht nur auf eine Position zu konzentrieren, sondern einfach alle spielen zu dürfen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich fühle mich wirklich überall auf dem Feld wohl. Nur ins Tor möchte ich nicht so gern zurück. Das überlasse ich mittlerweile Leuten, die das wirklich können.

Als Handball-Mini wurdest Du im Alter von sechs Jahren von einem jungen Mann trainiert, der später eine sensationelle Karriere gemacht hat und sogar Weltmeister wurde. Erzähle doch mal bitte von deinen Handball-Anfängen bei der SG Wallau/Massenheim.

Das stimmt, das war 1997. Unser damaliger Trainer bei den Minis war Markus Baur, der spätere Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2007.

Kannst du dich noch an sein Training erinnern?

Es wäre gelogen, wenn ich das mit „ja“ beantworten würde. Aber eine der Lieblingsgeschichten meiner Mutter ist, wie ich die ersten Trainingseinheiten bei ihr an der Seitenlinie verbracht habe, weil ich nicht mit den anderen trainieren wollte. Meiner Erinnerung nach war das ein bisschen anders: Ich glaube, ich wollte mir damals die Jungs genauer angucken, mit welchem ich am liebsten befreundet sein wollte. Meine Mutter behauptet aber, ich hätte einfach nur Rotz und Wasser geheult. Wir werden wohl nie erfahren, wie es wirklich war.

Wenn die Erinnerung deiner Mutter stimmt, wärst du um ein Haar nie Handballer geworden. Wie hat es dann doch geklappt?

Ja, im ersten Anlauf war ich noch nicht soweit. Erst ein paar Wochen später bin ich wieder ins Training gegangen, nachdem mich Freunde aus der Schule dorthin mitgenommen haben. Dieses Mal habe ich auch mittrainiert und bin dann dabeigeblieben.

Wallau/Massenheim hatte damals eine der besten Mannschaft der Welt. Hast du dir oft die Spiele der Bundesligamannschaft angesehen?

Als Bundesliganachwuchs hatten wir als Kinder den riesigen Vorteil, sehr nah an der Mannschaft zu sein. Ich habe jahrelang mit Petar Djordjic, dem Sohn des damaligen Wallauer Stammtorhüters Zoran Djordjic, zusammengespielt. Zusätzlich hatten wir in der C-Jugend unsere Hallenzeit direkt nach dem Mittagstraining der Profis, weshalb ich gerne mal früher in die Halle ging, um mir meine Idole anzuschauen.

Wer waren deine damaligen Lieblingsspieler?

Ich hatte viele große Vorbilder aus der Wallau/Massenheimer Zeit wie Markus Baur, Christian Zeitz oder Dominik Klein. Aber mein absolutes Idol war und ist bis heute Lars Christiansen, damaliger Linksaußen der SG Flensburg-Handewitt. Er hat Handball mit solch einer Lockerheit und solch einem Spaß gespielt und war zudem immer ein fairer Sportsmann. Das ist für mich bis heute einmalig. Ich würde behaupten, dass es niemanden auf dieser Welt gibt, der etwas Schlechtes über diesen Mann sagen kann. Das waren damals meine liebsten Spiele, wenn ich ihm zugucken konnte, egal ob live oder im Fernsehen. Ich habe deshalb auch jahrelang seine Rückennummer 15 selbst getragen, bis sie zuletzt besetzt war und ich eine Ausweichnummer nehmen musste. Ich würde mich aber sehr freuen, sie irgendwann wieder tragen zu dürfen.

Ich weiß gar nicht, ob wir aktuell eine 15 in den Trikotsätzen haben, aber da werden wir sicherlich Möglichkeiten finden.

Fantastisch! (lacht)

Bei Wallau-Massenheim hast du schließlich die gesamte Jugend durchlaufen und später auch bei den Aktiven gespielt. Was waren die bisherigen Höhepunkte deiner Handball-Karriere?

In der Jugend sind die ganz großen Erfolge ausgeblieben. Da war es Erfolg genug für mich, in der Regionalliga - vergleichbar mit der heutigen Jugendbundesliga – zu spielen oder bei den Älteren mitspielen zu dürfen.

Und nach der Jugend?

Meine bislang sportlich erfolgreichsten Jahre hatte ich zwischen 2012 und 2015. Nachdem wir damals mit der SG Wallau trotz nur einer Niederlage nicht in die 3. Liga aufgestiegen sind, haben wir es im darauffolgenden Jahr ohne auch nur einen Punktverlust geschafft, Hessenmeister zu werden und sind in die dritthöchste deutsche Spielklasse hoch gegangen. Wir haben im gleichen Jahr auch den Hessenpokal gewonnen und durften in der ersten Hauptrunde des DHB-Pokals gegen den Bundesligaaufsteiger Eisenach daheim antreten. Dieses Spiel haben wir tatsächlich gewonnen. Und in der zweiten Hauptrunde wurde uns dann …

… der THW Kiel zugelost.

Genau, das war mein persönliches Spiel des Lebens! 2014 bin ich mit meiner Hochschule in Berlin Deutscher Hochschulmeister geworden, im Finale haben wir die Sporthochschule aus Köln besiegt. Dieser Titel hat uns dazu berechtigt im Jahr 2015 an der Hochschul-EM in Braga, Portugal, teilzunehmen. Dort haben wir als Vierter leider knapp eine Medaille verpasst, aber es war ein tolles Erlebnis. Mit dem TuS Dotzheim bin ich 2016 und 2018 Landesligameister geworden, und wir sind in die Oberliga Hessen aufgestiegen.

Steckbrief

Name: Marcel Jamin
Geboren: 13. Mai 1991 in Wiesbaden (27 Jahre)
Größe: 1,87 m
Gewicht: 87 kg
Wurfhand: Rechts
Position: Allrounder
Aufgewachsen in Delkenheim und mittlerweile wohnhaft in Kostheim


Nochmal zurück zu Kiel - was habt ihr damals gedacht, als Euch der THW zugelost wurde?

Ich weiß auch noch genau, dass die Pokalauslosung während unseres Trainings stattfand und sich niemand auf das Training konzentrieren konnte. Nachdem wir gehört haben, dass der THW kommt, sind wir alle durch die Halle gesprungen. Unser Trainer hatte es damals sicher nicht leicht, uns auf kommende Gegner in der 3. Liga einzustellen.

Und als dann der große Tag gekommen ist: Was ist das für ein Gefühl, in einem Pflichtspiel gegen den THW Kiel anzutreten?

Man kann das nicht beschreiben, wenn man es nicht erlebt hat: Es war der absolute Wahnsinn! Im Norden Deutschlands spielen viele unterklassige Vereine gegen den THW in den Vorbereitungen, um ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen. Aber wir haben es geschafft, gegen den THW in einem Pflichtspiel anzutreten – das war einfach das Größte! Zumal Zeitz und Klein, denen ich als Kind bei der SG Wallau/Massenheim zugejubelt hatte, nun zum Kieler Kader gehörten. Plötzlich durfte ich gegen sie spielen!

Kannst du dich noch an den Spielverlauf erinnern?

Ja, besonders an die Anfangsphase. Es stand damals 3:1 für Kiel. Unser Torhüter, Sebastian Schermuly, hat das Spiel seines Lebens gemacht und zwei Bälle hintereinander gehalten. Ich habe das 3:2 und 3:3 per Gegenstoß geworfen, die volle Halle hat getobt. Zwei Minuten später hat es nochmals 4:4 gestanden und Alfreð Gíslason sah sich genötigt, eine Auszeit für Kiel zu nehmen. Ich habe keine Ahnung mehr, was unser Trainer damals zu uns gesagt hat. Ich hatte nur im Kopf: ‚Es steht 4:4!‘ Danach gingen wir zurück aufs Feld, und das nächste, was ich weiß, ist, dass es plötzlich 12:4 für Kiel stand. Aber das war mir egal! Es war die schönste Niederlage meines Lebens!

Dein Hochschul-Meisterjahr 2014 war gleichzeitig auch ein weiteres Schicksalsjahr für die SG Wallau/Massenheim. Wie hast du die Pleite erlebt?

Es war hart, was anderes kann ich dazu nicht sagen. Ich war nie der Spieler, der Handball aus finanziellen Gründen gespielt hat, sondern ich wollte einfach Handball spielen, Spaß haben und erfolgreich sein. Das hat jahrelang auch immer gut geklappt. Ich hatte bis dahin noch nie woanders Handball gespielt als in Wallau und hatte eigentlich auch nicht vor, das zu ändern. Als dann jedoch die finanziellen Probleme des Vereins ans Licht kamen, wurde ich gezwungen, mich mit dem Thema Vereinswechsel auseinanderzusetzen.

Der einstige Top-Verein musste damals aus der 3. Liga zwangsabsteigen und in einer der untersten Klassen neu starten.

Das kam für mich als damals 23-Jähriger nicht in Frage. Daher habe ich den Verein in Richtung TuS Dotzheim verlassen, was mir nicht leichtgefallen ist – nach 17 Jahren so gehen zu müssen, war irgendwie unfair. Das letzte Spiel der Saison war dann auch noch ein Heimspiel. Sportlich gesehen ging es um nichts mehr, doch leicht war das Spiel für alle Beteiligten trotzdem nicht. Unsere komplette Mannschaft hat sich damals aufgelöst. Ich war froh, gemeinsam mit meinem guten Freund Stefan Bonnkirch in Dotzheim spielen zu können.

Mit Dotzheim bist du im vergangenen Jahr in die Oberliga Hessen aufgestiegen. Doch dort konntest du in dieser Saison kein einziges Spiel bestreiten.

Ja, letztes Jahr habe ich mir das Kreuzband gerissen, im Mai wurde ich operiert. Anfangs lief die Reha sehr gut, sodass ich im November schon wieder ins Training eingestiegen bin. Alles fühlte sich gut an, aber irgendwann habe ich Schmerzen bekommen, was mich wieder zurückgeworfen hat. Nun hoffe ich, dass es jetzt in den letzten Zügen ist, und ich will schnellstmöglich ins Training einsteigen. Das ist die schlimmste Verletzung, die ich bislang hatte. Ich wünsche das niemandem. Aber ich habe auch viel für mich selbst während dieser Zeit gelernt.

Was war das genau?

Ich war nach Rückenbeschwerden gerade erst wieder ins Training eingestiegen und habe mir dann im zweiten Training das Kreuzband gerissen. Ohne Körperkontakt, in einer Aktion, die ich schon tausende Male gemacht hatte. Wenn man dann so lange verletzt ist, macht man sich schon mal seine Gedanken, wie das passieren konnte. Und daran habe ich einfach gesehen, dass in unserem Sport viel auf dem Spiel steht und eine Verletzung so schnell passieren kann. Da ist es wichtig, dass man fit ist, anständig trainiert und viel investiert. Ich hoffe, dass ich das nie wieder vergessen werde. Und dass ich das nie wieder mitmachen muss. Mein Lebensmotto lautet seit Jahren, dass aus allem Schlechten, das einem passiert, auch etwas Positives entstehen kann. Und daran glaube ich weiterhin.

Aus deiner Wallauer Zeit kennst du zwei Spieler, die Du hier in Budenheim wieder getroffen hast.

Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich mit Christian Kosel in Wallau zusammengespielt habe. Irgendwann war er auf einmal da. Auch als ich nach Dotzheim ging und er nach Budenheim, ist der Kontakt nie abgerissen. Ich freue mich riesig, wieder mit ihm zusammenspielen zu dürfen. Sogar unsere Eltern freuen sich darauf, glaube ich. Als ich Christian kennen gelernt habe, da hat er noch im Feld gespielt. Ohne es böse zu meinen: Ich bin froh, dass er den Weg ins Tor gefunden hat.

Und der andere?

In der B- und A- Jugend und später nochmal in der ersten Mannschaft von Wallau habe ich dann auch mit Lukas Scheer zusammengespielt. Auch mit ihm habe ich mich immer sehr gut verstanden, und wir hatten viel Spaß zusammen. Es würde den Rahmen hier sprengen von unserer Abschlussfahrt nach Berlin zu erzählen. Aber ich glaube, Lukas weiß, welche Geschichte ich meine. Wer sie hören mag, kann gerne auf mich zukommen (lacht).

Du hast dein neues Team am vergangenen Sonntag beim Heimspiel gegen den TV Homburg kennen gelernt. Wie war dein erster Eindruck?

Ich habe schon seit Jahren einen sehr guten Eindruck von Budenheim. Auch über die Landesgrenze hinweg genießen die Sportfreunde einen hervorragenden Ruf. Was mir Christian zudem erzählt hat, klang immer durchweg positiv. Wir haben ja auch in der Vorbereitung oft genug mit Dotzheim gegen Budenheim gespielt, und auch da hatte ich einen guten Gesamteindruck.

Und der hat sich bislang bestätigt?

Absolut! Es war schön zu sehen, dass auch am Wochenende gegen einen Gegner, der weit hinten drinsteht, so viele Leute den Weg in die Halle gefunden haben. Außerdem durfte ich am Wochenende kurz mit in die Kabine und muss sagen, dass die Auswahl der Kabinenmusik mich sehr begeistert hat!

Das sagt Trainer Volker Schuster: „Marcel ist ein erfahrener Allrounder, der auch schon in der 3. Liga gespielt hat. Er kennt hier bereits einige Spieler und passt sportlich und menschlich gut ins Team. In Abwehr und Angriff ist er variabel einsetzbar und kann uns daher auf vielen Positionen unterstützen – wo genau, wird sich in der Vorbereitung zeigen, ich habe da mehrere Ideen. Wichtig ist aber zunächst, dass Marcel nach seiner langen Verletzung wieder richtig fit wird.“


Was sind deine besonderen Stärken, mit denen du das Team voranbringen willst?

Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich flexibel auf mehreren Positionen einsatzbar bin. Zusätzlich sehe ich sportlich noch meine Schnelligkeit und Dynamik als eine meiner Stärken, ich hoffe, daran hat sich auch nach meiner Verletzung nichts geändert. Auf und neben dem Feld bin ich ein recht umgänglicher Typ und verbreite gerne Spaß. Wie und wo ich diese Stärken einsetzen kann, muss am Ende der Trainer entscheiden.

Welche Ziele willst du persönlich und mit den Sportfreunden Budenheim erreichen?

Ohne egoistisch klingen zu wollen, hoffe ich zunächst, erst mal wieder zu 100% fit zu werden und zu bleiben. Wieder auf dem Feld zu stehen und spielen zu können, ist für mich aktuell einfach das Wichtigste. Ich hoffe, das versteht niemand falsch, und jeder, der diese Verletzung mal hatte, kann das sicherlich nachvollziehen. Wenn wir dann bei meiner Rückkehr aufs Feld weiterhin so erfolgreich sind wie jetzt oder vielleicht sogar noch ein bisschen erfolgreicher, wäre das für mich natürlich umso erfreulicher.

Für was begeisterst du dich außerhalb der Handballhallen?

Ich verbringe meine Zeit außerhalb von Beruf und Handball am liebsten mit meinen Freunden oder anderen Menschen, die ich mag. Ob wir dann etwas unternehmen oder einfach nur in Ruhe ein kühles Bier trinken, ist mir eigentlich egal. Wenn die richtigen Leute dabei sind, reicht mir das. Ansonsten versuche ich in meiner Freizeit noch regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Ich bin generell ein recht sportbegeisterter Mensch.

Für welche Sportarten?

Neben Handball interessiere ich mich mittlerweile auch für Fußball, Eishockey, Football und Dart. Und was ich wirklich unheimlich gerne gucke, ist Tennis. Ich kann nicht mal sagen wieso. Selbst spiele ich das nicht mal, aber ich liebe es einfach, Tennis zu gucken.

Vielen Dank, Marcel. Herzlich willkommen bei den Sportfreunden! Ich habe das Gefühl, dass du viel Spaß in Budenheim haben wirst.


Das Interview führte Ingo Fischer.

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